Buchbesprechung

John Pinckernelle, ein "Bibliophile(r)" aus dem engeren Kreise der Gastmahl-Freunde stellt hier in regelmäßigen Abständen eine sehr persönliche Auswahl an Büchern vor, welche es neu zu Entdecken, oder wieder zu Entdecken gilt.


Squirrel

Ernst Penzoldt

erschienen im Insel Verlag

"Squirrel" (geschrieben 1954) von Ernst Penzold. Ein besonderes Buch. Eine Erzählung wie ein modernes Märchen.

Es geht davon etwas aus, so geheimnisvoll und klar wie ein Kristall in einer Höhle.

Thomas Mann lobte das "Poetische" und die Leichtigkeit des Buches, sein Zauber hätte ihn tagelang glücklich gemacht.

Ein junger, namenloser Vagabund wird eines Abends auf der Straße liegend von einer Familie gefunden, welche kurz zuvor kollektiv aus dem Leben scheiden wollte.

Sie nimmt ihn bei sich auf und gibt ihm den Namen Squirrel (Eichhörnchen).

Squirrel möchte nichts wissen, können oder tun. Er hat keine Ziele. Ist einfach da. Frei von Verantwortung. Sein Umgang mit Menschen ist spielerisch und unverbindlich, sein bloßes Vorhandensein eine Provokation. Wie ein Vorwurf nehmen seine Mitmenschen ihn wahr. Etwas von ihm zu erwarten aber, wäre ein Unrecht, das spüren sie.

Squirrel nämlich verzaubert und entwaffnet seine Mitmenschen. Die Begegnung mit ihm ist, wie von einem Sonnenstrahl getroffen zu werden.

Squirrel, von welchem fernen Stern mag er gekommen sein. Wie "Der kleine Prinz" (Exupery) bleibt er ein Geheimnis.

Ja, es ist ein leichtes Buch von feinem Humor, aber auch ein sehr tiefes und sehr, sehr schönes.

 

Zum Verlag:  Insel Verlag


Don Quixote

Miguel De Cervantes Saavedra

erschienen
im Insel Verlag

Der "Don Quixote" (geschrieben 1605 - 1615) zählt zu den großen Werken der Weltliteratur. Er ist mittlerweile ein Teil der spanischen Folklore, aber auch das erste Beispiel, das große Vorbild des abendländischen Prosaromans.

Mit seinem "Ritter von trauriger Gestalt", gelang Miguel De Cervantes Saavedra eine Satire auf die heroischen Ritterromane seiner Zeit.

Seine ärmliche Erscheinung, auch sein lächerlicher Gefährte Sancho Pansa, lassen ihn wie einen verrückten Landstreicher oder "Taugenichts" erscheinen. Somit ist der "Don Quixote" auch ein früher Schelmenroman.

Trotz der schmerzlichen Erkenntnis, dass die ruhmreichen Zeiten vergangen sind, aufrecht und stolz zu bleiben, seine Würde zu wahren, das ist die tapfere Haltung des (Anti-) Helden. Cervantes hat Spanien ein Denkmal gesetzt. Der ungebrochene Stolz, die Wahrung der Würde ist zum unvergänglichen Symbol einer Nation geworden. Don Quixotes Kampf gegen die Windmühlen war nicht umsonst.

 

Zum Verlag: Suhrkamp / Insel


Vom wahren Reichtum

Jeon Giono

"Vom wahren Reichtum"

erschienen
im Fischer Verlag

"Vom wahren Reichtum" (geschrieben 1937) zählt zu den wichtigsten Werken alternativer Literatur im 20. Jahrhundert. Die Stadt als Brutstätte zivilisatorischen Unheils, lässt Jean Giono hinter sich. Auf der Suche nach "ursprünglichen Gebärden", den eigentlichen Bedürfnissen und der Schönheit und dem Wissen der Natur, kehrt er zurück in die Landschaft seiner Heimat, die Provence.

Giono wollte seinen Weg als Beispiel verstanden wissen. Sein Buch ist zugleich Erzählung und Manifest, poetisch und visionär. Henry Miller verglich Jean Giono mit William Faulkner. Wie dieser habe er als Dichter eigene mythische Landschaften erschaffen.

 

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Paris - ein Fest fürs Leben

von Ernest Hemingway


erschienen im Rowohlt Verlag

Dieses Buch ist eine Liebeserklärung an die Stadt Paris und an das Leben überhaupt. Viel mehr als nur ein Auszug eines Lebensberichts, ist es Literatur, eine autobiographische Prosa. Niedergeschrieben in einem zeitlichen Abstand von über dreißig Jahren, ist das "Geschriebene" durch den persönlichen Filter der Erinnerung gegangen.

Hemingway erzählt darin von seinem Leben im Paris der zwanziger Jahre, von Begegnungen mit James Joyes, Ezra Pound und F. Scott Fitzgerald.

Der Tonfall ist entspannt und humorvoll, farbenfroh und intensiv, sinnlich und sensibel.

Es muss wohl eine sehr gute Zeit für Ihn gewesen sein, sonst hätte er nicht so von ihr berichten können.

"Ein Fest fürs Leben" hat Hemingway diese Jahre in Paris genannt und genau so werden sie auch für den Leser seiner "Erinnerungen" erfahrbar.

Man möchte gleich dorthin, sich in dieser Stadt verlieren.


Zum Verlag: Rowohlt


Der Himmel ist Blau - Ich auch

Schwabinger Tagebücher

von Walter Rufer
erschienen im Blumenbar Verlag

Walter Rufer, ein unbekannter Dichter aus der Schweiz, der sich wohl Anfang der sechziger Jahre in Schwabing herumgetrieben hat, ist der Verfasser dieser Zeilen.

"Der Himmel ist Blau - Ich auch (Schwabinger Tagebücher) ", ist wohl das einzig nachgewiesene Buch dieses Autors, ein schmaler Gedichtband, den der Blumenbar Verlag wieder neu aufgelegt hat.

Ein cooler Typ muss er gewesen sein, der Walter Rufer. Seine Verse zumindest sind urkomisch, ziemlich frech und unbekümmert. Noch unverkrampfter lässt sich kaum dichten!

Der (angetrunkene) "Geist von Schwabing" flattert fröhlich in diesem blauen Himmel, unter welchem der Dichter so manches Bierchen trinkt .

Man möchte dieses Buch immer mal wieder Jemandem vorlesen.

 

Zum Verlag: Blumenbar


But Beautiful

Ein Buch über Jazz

von Geoff Dyer

Erschienen im Fischer Taschenbuchverlag 2003

Ursprünglich als Sachbuch gedacht, hat der Autor dieses Buches beim Schreiben zu einer Form gefunden, welche man nur literarisch nennen kann. Eine erzählende Prosa, glaslar, aber auch poetisch - dem Stoff angemessen. Die Methode ist bekannt und den Figuren des Buches entliehen: Improvisation auf ein Thema "Jazz". Ein wirklich von Musik beseeltes Buch, in dem überlieferte Fakten und fiktive Geschichten zu einer einzigen Melody zusammenfließen. Ein Buch, welches nicht umsonst von großen Jazzern wie Keith Jarrett gelobt wird.

 

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Landpartie literarisch

Auf den Spuren großer Dichter im Münchner Umland

Hrsg. von Christian Krügel

Buchausgabe der gleichnamigen Serie der Süddeutschen Zeitung

Erschienen in der Edition Buchhandlung L.Kirchheim im P.Kirchheimverlag 2003

Ein großartiges kleines Buch über Schriftsteller von Weltrang wie D.H. Lawrence, Thomas Mann, Rainer Maria Rilke und Oskar Maria Graf. Ein Buch über die Orte, an denen sie lebten, schrieben oder an denen sie eine gewisse Zeit verweilten und die sie inspirierten. Die Orte, die jeweils einem Schriftsteller zugeordnet sind, wurden mit Karten und genauen Anfahrts- und Ortsbeschreibungen, Routenvorschlägen für Spaziergänge und Wanderungen versehen. Für jeden, der auf den Spuren großer Dichter wandeln möchte ist dieses Buch ein Muss.

 

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